Neue Wege in Zentralasien

Noch kurz vor Jahresende veröffentlichte die vor einigen Monaten eingesetzte Zentralasien-Kommission des Konzerns unter Vorsitz von Natalya Bikmayev ihre ersten Ergebnisse vor. Die Kommission war eingesetzt worden, um gegen die Gewinneinbrüche in Zentralasien vorzugehen.

Im zweiten Halbjahr 2020 waren die Buchungen und die Gewinne in Kasachstan und Usbekistan eingebrochen. Die Gesellschaft in der Mongolei musste gar ihren Betrieb einstellen.

Als wesentliche Ursache für den starken Rückgang der Buchungen nannte Bikmayev den Einbruch des Flugverkehrs von und nach Russland: „Novosibirsk hat uns eine Menge Fluggäste gekostet“, sagte die künftige Division Managerin in Zentralasien. „Bevor hier ein großes Drehkreuz eingerichtet wurde, konnten Taschkent und Almaty noch reichlich West-Ost-Verkehr in Russland abgreifen.“ Insgesamt werde Zentralasien offenbar nicht als größeres Drehkreuz zwischen Asien und Europa angenommen. Die Zahl der Umsteiger von externen Partnern in Länder außerhalb Zentralasiens bezeichnete Bikmayev als „erschütternd niedrig“.

Als weiteres Problem identifizierte die Kommission die Kosten für Treibstoff. Nachdem 2020 zwischenzeitlich ein historischer Tiefstand der Kerosinpreise erreicht wurde, steigen die Preise seitdem wieder kontinuierlich an. „Das erklärt aber nicht den hohen Anteil der Sprit- an den Gesamtkosten in Zentralasien,“ so die Kommission. In Zentralasien machen die Treibstoffkosten einen signifikant höheren Anteil an den Gesamtkosten aus, obwohl hier fast nur noch moderne Flugzeuge eingesetzt werden. Als beispielhaft bezeichnete Bikmayev die Kostenstruktur bei Kazakh Skyservice. Das Unternehmen mit seinem Drehkreuz in Nursultan war erst unter der Woche akquiriert worden. Im Gegensatz zu Skyservice seien die Kennzahlen der mit hohen Erwartungen gestarteten Elysion „ein Desaster“. Die hochmoderne Flotte von Elysion verursacht neben hohen Leasinggebühren auch noch hohe Kosten für Sprit und Wartung. „Wir sollten hier noch einige Tage abwarten, bis die Zahlen nach der Übernahme des Flugbetriebs in Almaty vollständig abgeschlossen sind“, mahnte Bikayev vor voreiligen Maßnahmen. Sollten die Zahlen allerdings weiterhin so unbefriedigend sein, seien „harte Maßnahmen bis hin zu Entlassungen“ wahrscheinlich.

In Usbekistan sind derlei Maßnahmen bereits kurzfristig geplant. Hier ist der Umsatz um mehr als 15 Prozent eingebrochen, die Auslastung fiel auf unter 75 Prozent. „Der Markt in Usbekistan ist vom wilden Wachstum Anfang 2020 immer noch überhitzt, und nun ist auch noch Russland weggebrochen“, stellt die Zentralasien-Kommission fest. „Silk Road wird heftige Einschnitte ertragen müssen.“

Zum Beginn des Jahres 2021 wird die Usbekin Natalya Bikmayev (47) offiziell Division Managerin Zentralasiens und COO der Silk Road. Das Geschäft in Kasachstan verantwortet künftig der 40-jährige Russe Wladimir Grischtschuk.